• Foto: MAN, sk

Kleiner Löwe


Schick sieht er aus! Die Proportionen sind stimmig, die Verarbeitung hochwertig. Das Design schmeichelt dem Auge. Auch ein leichtes Nutzfahrzeug kann optisch einiges hermachen. Doch spätestens, wenn der Blick über den Kühlergrill gleitet, sieht man Ungewöhnliches.

Auf dem Grill prangen die Buchstaben MAN. Darüber befindet sich der chromglänzende Löwe, das Markensymbol des Lkw-Herstellers. Ein Transporter aus dem Hause MAN? War bisher der 7,5-Tonner das Einstiegsgewicht in die MAN-Nutzfahrzeugewelt, gibt es den Neuzugang TGE ab einer Gesamtmasse von 3 t. Dass einige Pkw-Hersteller auch leichte Nutzfahrzeuge ins Portfolio nehmen, ist nicht ungewöhnlich. Dass ein Hersteller, der sich bislang auf schwere Nutzfahrzeuge fokussiert hat, auch in diesem Segment aufstellt, ist eher ungewöhnlich.

Ungewöhnlich, letztlich aber nur konsequent. Mit Blick auf die Zielgruppen gibt es viele Überschneidungen. So setzen viele Speditionen sowohl leichte als auch schwere Nutzfahrzeuge ein – das gilt für die Baubranche. Und natürlich erwarten diese ausgesprochen anspruchsvollen Kunden mit Blick auf den Service das gleiche hohe Niveau, das sie auch bei den schweren Nutzfahrzeugen gewohnt sind. Logisch, die Unternehmen verdienen mit ihren Nutzfahrzeugen Geld oder können ihr Kerngeschäft ohne Nutzfahrzeuge gar nicht bewerkstelligen. Genau dieser Service ist ganz normal für das MAN-Tagesgeschäft. Doch zurück zum TGE. Der Transporter ist eigentlich ein VW Crafter mit MAN Logo. Das ist absolut kein Makel. Leichte Nutzfahrzeuge sind seit Jahrzehnten eine Kernkompetenz im Segment der leichten Nutzfahrzeuge und der neue Crafter ist das derzeit modernste leichte Nutzfahrzeug auf dem Markt. Von Grund auf neu entwickelt und ausgestattet mit einer hochmodernen Elektronikarchitektur, die bereits für künftige Anforderungen ausgerichtet ist.

Bei MAN rechnet man zunächst mit 20.000 verkauften TGE-Transportern pro Jahr. Rund 40 Prozent der Fahrzeuge werden keine normalen Kastenwagen sein, sondern Fahrzeuge mit speziellen Aufbauten. Damit deutet sich die Stoßrichtung des TGE-Projekts an. Als Hersteller schwerer Nutzfahrzeuge, die immer entweder Zugmaschine oder Basis für Aufbauten aller Art sind, kennt sich MAN auch mit der Integration von Aufbauten bestens aus. Es ist also naheliegend, dass sich die Kunden, die ihr leichtes Nutzfahrzeug mit komplexen Aufbauten ausstatten wollen, für einen TGE statt einen Crafter entscheiden werden.

Die Voraussetzungen für eine löwenstarke und vor allem variantenreiche Basis sind mit dem TGE definitiv gegeben. Zur Verfügung stehen zwei Radstände, drei Längen und drei Höhen. Dazu kommen Fahrgestelle mit Einzel- und Doppelkabine. Die Gesamtgewichte bewegen sich zwischen 3 und 5,5 t, das maximale Ladevolumen bei der größten Kastenwagenvariante beträgt 18,4 m3. Der Variantenreichtum setzt sich bei den Antriebssträngen fort. Für den TGE stehen vier Motorisierungen zwischen 75, 90, 103 und 130 kW zur Verfügung, die alle auf einem 2-l-Motor basieren. Geschaltet wird entweder mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe oder einem Achtgang-Automatikgetriebe. Mit Front-, Heck- und Allradantrieb sind darüber hinaus alle Antriebskonzepte möglich. Soweit zu den grundsätzlichen Konfigurationsmöglichkeiten des TGE, mit denen sich die allermeisten Einsatzanforderungen problemlos abdecken lassen.

Die NFM-Redaktion hatte bereits Gelegenheit, den TGE mit Allradantrieb zu fahren. Wir waren zwar mit einem Vorserienfahrzeug unterwegs (zu kaufen sein wird der TGE 4x4 frühestens im Herbst), aber die Verbindung zwischen robuster Allradtechnologie und einem Transporter mit modernsten Assistenzsystemen ist absolut gelungen. Der TGE ist nicht nur geeignet, um auch mal durch eine tiefere Pfütze zu fahren. Er beherrscht unbefestigte Untergründe und wühlt sich auch ohne größere Anstrengungen durch tieferes Geläuf. Schwierigste Anforderung auf unserer Tour war eine Behelfsrampe, die zu einem Brückenbauwerk hinaufführte. Obwohl sich die Reifen mehrere Zentimeter in regenweichen Boden wühlten, war die Steigung kein Problem für den neuen Löwen im Transportersegment. Apropos Baubranche: Hier ist nicht nur die Fähigkeit gefragt, sich auf unbefestigten Untergründen souverän zu bewegen. In vielen Bauunternehmen trägt der Transporter täglich Mitarbeiter, Werkzeuge und Material auf die Baustelle. Und nicht selten werden auch die Pausen im Auto verbracht. Auch dafür ist der TGE bestens geeignet. Das Ablagekonzept präsentiert sich praxisorientiert und damit vorbildlich. Arbeitsutensilien wie Zollstock und Werkzeug aber auch Reiseunterlagen wie Kartenmaterial und Frachtpapiere sowie Getränke und Verpflegung lassen sich reichlich und wohlgeordnet unterbringen. Das wird bereits beim Öffnen der Türen deutlich. Eine 1,5 l große Getränkeflasche lässt sich ebenso im Türfach unterbringen wie ein DIN-A4-Ordner oder Kataloge. In der Tür befinden sich übrigens auch Verbandskasten und das Warndreieck. 

Ein sehr modernes Pfund, mit dem MAN beim TGE wuchern kann, sind die Assistenzsysteme. Mit dem serienmäßigen Notbremsassistenten EBA (Emergency Brake Assist) wird ein wesentlicher Beitrag zur Verkehrssicherheit geleistet. Dazu überprüfen Abstandssensoren kritische Abstände zum Vordermann und helfen, den Anhalteweg zu verkürzen. Die integrierte City-Notbremsfunktion bremst darüber hinaus bei niedrigen Geschwindigkeiten das Fahrzeug automatisch ab und reduziert somit eine der häufigsten Unfallursachen, minimiert damit Ausfallzeiten sowie Reparaturkosten und erhöht im Gegenzug den Restwert. Der optionale Rückfahrassistent unterstützt den Fahrer unter anderem beim rückwärtigen Ausparken. Des Weiteren lässt sich ein Anhängerrangierassistent bei Bedarf aktivieren. Darüber hinaus kompensiert die elektromechanische Servolenkung Gegenlenkkräfte, wie sie beispielsweise durch Seitenwinde entstehen. Für hohen Komfort auf langen Autobahnetappen sorgt der abstandsgeregelte Tempomat. Der Sicherheit aller dienen die Müdigkeitserkennung und die Multikollisionsbremse: Mit Letzterer können Folgekollisionen mit anderen Hindernissen oder Verkehrsteilnehmern verhindert werden. 

Anspruchsvolle Kunden wollen nicht nur zuverlässige und wirtschaftliche Nutzfahrzeuge, sie erwarten auch einen ebenso professionellen Service. Ein Service, der sich nicht an Öffnungszeiten orientiert, sondern an den Bedürfnissen der Kunden. Und wenn der Transporter mit Terminfracht im Laderaum nachts liegen bleibt, dann muss der Servicepartner auch innerhalb kürzester Zeit reagieren. Für eine Lkw-Werkstatt ist das längst nichts Ungewöhnliches mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit. Das gilt auch in den rund 400 MAN-Werkstätten in Deutschland.



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